Smartphones – eine Sammlung von Sensoren
Aus dem Alltag sind unsere Smartphones nicht mehr wegzudenken. Wir nutzen es unter anderem zur Informationsgewinnung, Kommunikation, Bild- und Tondokumentation und Navigation. Sie managen unsere Leben, fangen besondere Momente ein, verwalten unsere Finanzen, regeln unsere sportlichen Aktivitäten und Hobbies, sie sind unser Unterhaltungsprogram, spielen Babysitter und sind teilweise sogar unser Ausweis.
Damit es dies leisten kann, ist es mit einer Reihe von Sensoren ausgestattet. Je nach Modell sind das zum Beispiel:
Nicht jedes Gerät hat jeden Sensor – ein echter Umgebungs-Temperatursensor etwa ist selten, die meisten Handys messen Temperatur nur intern für Akku und Prozessor. Aber die Grundausstattung reicht, um sehr viel über uns und unsere Umgebung zu erfassen. Und genau das macht Smartphones nicht nur für uns wertvoll, sondern auch für Parteien, die nicht in unserem, sondern in ihrem eigenen Interesse handeln.
Smartphones liefern vielschichtige Personenprofile
Das Smartphone ist nicht nur ein Nutzgegenstand - es liefert ein umfassendes Datenprofil der Nutzer und ihrer Umgebung. Insbesondere die präzisen Bewegungsdaten, visuelle Umgebungsdaten und Tonaufnahmen geben viel über individuelle Verhaltensmuster und Beziehungen preis und ermöglichen ein umfangreiches Verständnis eines Menschen und seiner Gewohnheiten. Bilder werden automatisch mit künstlicher Intelligenz optimiert und Gesichter erkannt.
Dass die Geräte laufend Daten senden, ist gut belegt. Eine Untersuchung von Prof. Doug Leith am Trinity College Dublin zeigte: iPhones (iOS) und Android-Geräte senden im Schnitt alle viereinhalb Minuten Daten an Apple beziehungsweise Google – auch wenn das Handy gar nicht benutzt wird, etwa in der Hosentasche. Übertragen werden dabei unter anderem Gerätekennungen wie Seriennummer und IMEI sowie SIM- und Telefonnummer-Details, teils sogar dann, wenn man dem Tracking ausdrücklich widersprochen hat.
Kurz: Es ist eben nicht geheim, dass gesammelt wird – es passiert nur unsichtbar, im Hintergrund und ohne echte Ausstiegsmöglichkeit.
Warum das Kinder besonders betrifft
Von dieser Datensammlung sind auch Menschen betroffen, die den Nutzungsbedingungen nie zugestimmt haben. Das gilt besonders für Kinder. Wir Eltern können die Folgen und das Ausmass eines umfassenden digitalen Fussabdrucks für sie kaum abschätzen – und sie können es selbst noch weniger. Deshalb sind sie besonders schutzbedürftig.
Viele Eltern halten die eigene Privatsphäre für nicht so schützenswert. Für ihre Kinder aber sind die meisten bereit, das Thema neu anzugehen. Mit immer stärkerer KI und Unternehmen, die allein mit dem Handel unserer Daten Millionen verdienen, ist mir der bestmögliche Schutz unserer Kinder ein echtes Herzensanliegen.
Wie schützen wir unsere Kinder vor der stillen Überwachung?
Ein vollständiger Schutz ist ehrlicherweise kaum möglich. Aber das ist kein Grund zur Resignation – im Gegenteil. Es gibt konkrete Schritte, die eine ständige Überwachung und die damit verbundenen Risiken deutlich verringern.
Wichtig zur Einordnung: Diese Schritte schliessen die Türen, für die du selbst den Schlüssel hast – nicht alle Türen. Sie machen dein Kind nicht „unsichtbar", aber sie reduzieren spürbar, wie viel dein Gerät preisgibt. Genau das ist ein realer, machbarer Beitrag – und ein guter Anfang.
In diesem Artikel zeige ich euch drei Handlungsoptionen, von „direkt in 5 Minuten gemacht" bis „ich möchte mehr Zeit in die Privatphäre unserer Familie investieren".
Stufe 1: Der Fünf-Minuten-Start (kostenlos, für alle)
Fang beim Handy an, das du schon hast. Geh in die Einstellungen und nimm dir eine App nach der anderen vor:
- App-Berechtigungen prüfen: Braucht die Taschenlampe wirklich Zugriff auf Mikrofon und Standort? Entziehe, was nicht nötig ist.
- Standortverlauf ausschalten und Standort nur „während der Nutzung" erlauben.
- Personalisierte Werbung deaktivieren und die Werbe-ID zurücksetzen.
Das ist der Schritt, der Mut macht: Er kostet nichts, dauert wenige Minuten – und du merkst sofort, dass du mehr Kontrolle hast, als du dachtest.
Stufe 2: Bewusst datensparsam werden (etwas Aufwand)
- Sensoren gezielt einschränken: Kamera-, Mikrofon- und Standortzugriff pro App abschalten, wenn er nicht gebraucht wird.
- Datensparsame Dienste wählen: beim Kauf und bei der App-Auswahl auf Anbieter mit Servern in der EU/Schweiz und klarer Datenschutzpraxis achten.
- Funktionen auslagern: Manche Aufgaben brauchen kein Smartphone. Ein einfacher Wecker, eine separate Kamera oder ein Schrittzähler ohne Cloud-Anbindung nehmen Sensoren aus dem vernetzten Gerät heraus. (Ehrlicher Haken: Das ist unbequemer und kostet manchmal Geld – hier zeigt sich, dass sichere Wahl leider oft die unbequeme ist.)
Stufe 3: Für Ambitionierte – das Betriebssystem selbst
Wer einen Schritt weiter gehen will, kann das Betriebssystem wechseln. GrapheneOS ist ein quelloffenes, auf Privatsphäre und Sicherheit ausgelegtes Android ohne Google-Dienste. Es läuft heute auf Google-Pixel-Geräten (Pixel 6 und neuer) und voraussichtlich ab 2027 auch auf ausgewählten neuen Motorola-Modellen. Die Installation erfordert etwas technisches Geschick – aber sie ist machbar.
Dass es geht, zeigt übrigens dieselbe Trinity-College-Studie von oben: Unter den untersuchten Systemen sendete das Datenschutz-freundliche Graphene OS praktisch keine Daten an Dritte und kaum welche an die eigenen Entwickler. Andere Wege sind also möglich – wir sind dem nicht ausgeliefert.
Fazit
Dein Handy weiss viel – aber du bist nicht machtlos. Ein einziger kleiner Schritt heute (Stufe 1) bringt dich und deine Kinder schon spürbar weiter. Alles Weitere kannst du in deinem Tempo angehen.
Quellen
- Trinity College Dublin – Studie zur Datenübertragung von Smartphones (Android-Studie, iOS/Android-Vergleich)
- Überblick zu Smartphone-Sensoren (ariat-tech.com)
- KI-Funktionen auf Samsung-Geräten reduzieren (bloggingfusion.com)
- Welchen Preis hat Privatsphäre? (bpb.de)
- Verkauf persönlicher Daten (privacyaffairs.com)
- GrapheneOS (grapheneos.org)